FÄCHER WIRTSCHAFT UND SOZIALWESEN - ZUSAMMENARBEIT MIT DER JVA BERNAU

„Leben hinter Gittern“ - ein Vortrag für die 9. und 10. Jahrgangsstufe

Vortrag JVA Bernau

Albert Moosmüller, der Beamte der Justizvollzugsanstalt Bernau, begann vor circa 20 Jahren damit an Schulen zu gehen und den Schülern zu erklären, was es eigentlich bedeutet, Straftaten zu begehen und dann ins Gefängnis zu müssen. Er erklärte den Schülerinnen sehr emotional, dass er ab nächstes Jahr eine neue Aufgabe innerhalb der JVA Bernau übernehme und deshalb nicht mehr die Möglichkeit habe, an die Schulen zu „gehen“. Dennoch wird „sein Kind“ (so bezeichnete er selbst das Schulprojekt) von Kollegen fortgesetzt werden.

In seinem Vortrag brachte er den Schülerinnen die JVA Bernau sehr anschaulich nahe. „Die Anstalt ist zuständig für den Vollzug von Freiheitsstrafen im Wiederholungsfall (sog. „Regelvollzug“) bis zu drei Jahren an erwachsenen Männern aus dem gesamten südbayerischen Raum sowie für den Erstvollzug von Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr an erwachsenen Männern aus den Amtsgerichtsbezirken Miesbach und Wolfratshausen.“

Zurzeit sind über 900 Gefangene in der JVA Bernau untergebracht. Damit gehört die JVA Bernau mit zu den größten Justizvollzugsanstalten Bayerns. Sehr anschaulich erzählte Albert Moosmüller, was es bedeutet von der Gesellschaft „ausgegrenzt“ zu sein.

Vortrag JVA Bernau

„Wer meint, Gefängnis ist wie „kostenloses Wohnen“, irrt sich gewaltig. Ein Gefangener ist in fast allen Dingen eingeschränkt.

Der Gefangene hat keine Freiheit in Bezug auf Umwelt, Bewegung, Entscheidungen, Wünsche oder Bedürfnisse. Letztlich hat er nur ein eingeschränktes Recht auf Leben.“

Zwar haben die Gefangenen die Möglichkeit, in Wohngruppen resozialisiert zu werden, dennoch bleiben sie Gefangene. Sie müssen arbeiten, wobei 2/3 ihres Verdienstes aufgespart wird. Insgesamt ist die JVA eine in sich abgeschlossene „kleine Welt“ mit zum Beispiel Schreinerei, Schlosserei, Bäckerei und vielem mehr. Natürlich sind auch Freizeitmöglichkeiten (zum Beispiel Sport, Bastelkurse,…) angeboten, denn sonst könnten die Gefangenen nicht resozialisiert werden. Auch psychologisch und medizinisch werden die Insassen betreut. Es besteht auch die Möglichkeit der Fort- und Weiterbildung.

Das größte Ziel der Haftstrafe ist eigentlich die Resozialisierung. Doch leider klappt genau dies oft nicht - sei es wegen Drogen oder Alkohol, dem fehlenden Mitwirken des Einzelnen oder auch wegen fehlendem Unrechtsbewusstsein, so der Justizvollzugsbeamte.

Albert Moosmüller beendete seinen interessanten Vortrag mit einem kurzen Film, in dem alles noch einmal mit Bildern „untermauert“ wurde. Er bedankte sich bei den Schülerinnen mit den Worten, dass er immer gern gekommen sei und er hoffe, sie nie in Verbindung mit Straftaten wieder zu sehen.

Wir wünschen ihm in seinem neuen Arbeitsbereich und natürlich auch privat viel Erfolg und bedanken uns für die tolle Zusammenarbeit.

Sigi Klose

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